Elsa Stephani

Die am 30. Jänner 1885 in der ungarischen Reichshälfte der Österreichischen Doppelmonarchie geborene
Erzsébet Stern wuchs zweisprachig mit Deutsch und Ungarisch in einem jüdischen Budapester Elternhaus auf.
Sie verstarb, durch den Nationalsozialismus zur Flucht getrieben, im August 1981 in Los Angeles. Esla
Stephani zeigte schon früh schriftstellerische Begabung. Im Alter von sieben Jahren schrieb sie Gedichte,
mit 15 publizierte es seinen ersten Artikel. Bereits 1904 findet sich ein Text der jungen Frau im
deutschsprachigen Pester Lloyd, bei dem sie ab 1908 als Mitarbeiterin tätig sein wird. 1908 heiratete
sie im Alter von 23 Jahren den linken Juristen Elek Bolgár (1883-1955). Die Tochter Hedda erblickte
bereits ein Jahr später, also 1909, in Zürich das Licht der Welt. Erzsébet, die sich nun Elza Bolgár
nannte, hatte ihre formale Schulbildung mit dem Gymnasium abgeschlossen, als Ehefrau und Mutter führte
sie nicht nur ein unstetes Leben, sondern bildete sich in einschlägigen Diskussionskreisen weiter.
Zusammen mit ihrem Ehemann zog es sie in die Schweiz wo dieser 1910 im Fach Philosophie promovierte.
Zwischen 1909 und 1911 reiste das Paar durch Amerika wo Elek Bolgár sozialwissenschaftliche Vorträge hielt.
Drei Jahre später, 1914, zerbrach die Ehe. Elza kehrte nach Budapest zurück und arbeitete als eine der
wenigen Frauen im Ersten Weltkrieg als Berichterstatterin. Regelmäßig erschienen ihre deutschen Artikel
unter ihrem Künstlernamen Elsa Stephani im Pester Lloyd . Im Juli 1918 führte sie als Vertreterin der
Journalistinnen in Budapest sogar jene Frauendelegation an, die vom ungarischen Ministerpräsidenten das
Wahlrecht forderte. Damit wird das frauenbewegte Engagement der 33-Jährigen sichtbar.
Im gleichen Jahr gab sie dem Historiker, Übersetzer und Journalisten Ernő/Ernst Lorsy (1889-1960) das Ja-Wort.
Ebenso wie ihr erster Ehemann Elek Bolgár war Ernő Lorsy jüdischer Herkunft und Linksintellektueller.
Zusammen mit anderen traf sich das Paar ab 1915 einmal wöchentlich im sogenannten Sonntagskreis. In
diesem ambitionierten Diskussionszirkel erhielt sie weitere Bildungsangebote, denn hier versammelten sich
Teile der ungarischen Intelligenz, um über Philosophie, Literatur, Kunst oder Geschichte zu diskutieren.
Einige Mitglieder wurden schließlich Zentralgestalten der Ungarischen Räterepublik. Lorsy arbeitete als
kommunistischer Staatssekretär des Volkskommissariats für öffentliche Bildung. Die Räterepublik, ein kurzlebiger
sozialistischer Staat, bestand nur viereinhalb Monate von 21. März bis zum 1. August 1919. Sie war das einzige
bedeutende kommunistische Regime der europäischen Zwischenkriegszeit, das jedoch mit seinem Roten Terror
zahlreiche Todesopfer forderte. Ihr folgte ab 1920 das Königreich Ungarn. Sein autokratischer Reichsverweser
Miklós Horthy etablierte den Weißen Terror, der unter den Revolutionären ein enormes Blutbad anrichtete.
Diese Ereignisse zwangen zahlreiche ungarische Intellektuelle, sowie Elsa Stephani und ihren Mann zur Flucht
nach Wien, wo er der linksgerichteten Ungarischen Wiener Zeitung angehörte. Ernö Lorsy galt als Sprachentalent
und wurde als einer der gebildetsten Journalisten des 20. Jahrhunderts gelobt. Durch Stephanis ersten Ehemann,
Elek Bolgár, dem Botschafter der Ungarischen Räterepublik in Wien, wurde die Kommunistische Partei Österreichs
mit Propagandamaterial und großzügigen Finanzmitteln aus Ungarn ausgestattet. Am 18. April 1919 erfolgte die
Stürmung des österreichischen Parlaments. Der Aufstand wurde auch hier niedergeschlagen.
Derartig turbulente Zeiten hatten Elsa Stephani nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie und dem Scheitern der
Ungarischen Räterepublik zur Emigration nach Österreich gezwungen. In der jungen Republik herrschten jedoch
bittere Not und Armut, gefolgt von täglich steigender Inflation. In diesem Klima trat sie 1924 dem Le Droit
Humain bei. Damit war sie bereits in der Aufbauzeit der gemischten Freimaurerei ein engagiertes Mitglied,
denn die erste Loge mit dem Namen Vertrauen wurde in Österreich 1922 gegründet. Von hier wechselte sie in
die 1928 gegründete zweite Wiener Loge - in die Harmonie, in der sie von 1936 bis 1938 sogar als Obfrau
tätig war. Ihr Charakter wurde in einem Bericht gewürdigt, denn sie arbeitete „immer mit dem ganzen Einsatz
ihres rechten Menschentums und erfasst die symbolische Arbeit mit durchdringendster Feinfühligkeit. Als Redner
der Loge betätigt sie wiederholt ihre glänzende Fähigkeit, Brücken zu schlagen zu den Gästen anderer
Werkstätten, besonders zu den Wiener maskulinen Logen.“
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Elsa Stephani auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
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